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05Feb

Junge Menschen haben ein Recht auf öffentlich rechtliche Angebote

Junge Menschen haben ein Recht auf öffentlich-rechtliche Angebote

10.03.2011

 

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat den Auftrag alle Menschen anzusprechen und in geeigneten Formaten mit Informations-, Bildungs- und Unterhaltungsangeboten zu versorgen. Junge, internetaffine Menschen werden von vielen öffentlich-rechtlichen Programmen aber bisher ausgeschlossen. Nicht zuletzt durch die starke Lobbyarbeit unter anderem vieler Zeitungsverleger und privater Rundfunkanbieter und den daraus folgenden politisch bedingten Einschränkungen des öffentlich-rechtlichen Angebots im Internet.

Die Debatte um die Programminhalte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist alt und wird immer wieder geführt. Hand in Hand geht damit auch eine Debatte über Qualität und Ausrichtung auf spezielle Zielgruppen. Betrachtet man nüchtern die aktuellen Zahlen der ZuschauerInnen, sieht man aber, dass die Akzeptanz im jüngeren Publikum am niedrigsten ist. Gerade einmal 5 Prozent der jungen Menschen nennen ARD und ZDF ihr „liebstes Fernsehprogramm“ (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2010 / www.mpfs.de).

Zu Beginn des Jahres 2011 gab es unter anderem aus diesem Grund eine öffentliche Auseinandersetzung zwischen der neuen und dem ehemaligen Vorsitzenden der ARD, Frau Piel und Herr Boudgoust. Es ging dabei vor allem um die Frage der Etablierung eines eigenständigen Jugendsenders, der Jugendliche und junge Erwachsene ansprechen soll. Um die Legitimation des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks auch in Zukunft zu gewährleisten, ist es wichtig, dass ein anspruchsvolles Programm für alle Bevölkerungsgruppen erarbeitet wird. Gesellschaftlicher Pluralismus in einem demokratischen System muss sich auch im Rundfunk wiederfinden und damit Programminhalte für MigrantInnen, ältere wie jüngere Menschen, Frauen, wie Männer und natürlich Familien anbieten.

Im Zuge der Umstellung der Rundfunkgebühren auf eine Haushaltsabgabe wird zudem absehbar eine erneute Debatte über die Sender und deren Formate aufkommen. Diese Debatte müssen wir ernst nehmen und nicht in Vogel Strauß Manier den Kopf in den Sand stecken und ignorieren. Denn besonders bei jüngeren Menschen sinkt die Akzeptanz der öffentlich-rechtlichen Angebote im Gesamten. Nur noch 45% der 18- bis 29 Jährigen sprachen sich 2007 für den Erhalt des gebührenfinanzierten Systems aus (Quelle:http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,506004,00.html). Damit steht zukünftig nichts weniger als die Akzeptanz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf dem Spiel.

Dass es im öffentlich-rechtlichen System durchaus positive Neugründungen und Erschließungen neuer Zielgruppen gibt, beweist der Erfolg vom KiKa oder der Aufbau der Jugendwellen Anfang und Mitte der 90er Jahre, allen voran seien Radio Fritz oder 1Live genannt. Mit entsprechenden Ressourcen und Mut konnten erfolgreiche Projekte gestartet werden. Dieser Prozess hat zur Etablierung erfolgreicher Programmformate beigetragen, bestehende Marktanteile in der Zielgruppe verteidigt und sogar neue erschlossen.

Für ein solches, neues Angebot braucht der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch geeignete finanzielle Mittel. Die Hemmschwelle zur Erhöhung der Rundfunkgebühren darf nicht zu Lasten der jungen Leute gehen.

Wir widersprechen Frau Piel daher entschieden, wenn sie sagt: „Die Jugend ist so heterogen, sie interessiert sich für Angebote, die mit dem öffentlich-rechtlichen Profil kaum zusammenzubringen sind.“ Wer ohne einen entsprechend ernstzunehmenden Versuch in den letzten Jahren unternommen zu haben, eine Zielgruppe von rund 10 Millionen Menschen ausschließt und als zu heterogen für das öffentlich-rechtliche Angebot abstempelt, sollte ernsthaft über das Selbstverständnis der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nachdenken.

Aus unserer Sicht und der des Rundfunkstaatsvertrags haben öffentlich-rechtliche Anstalten die Verpflichtung dazu, in entsprechende Programminhalte zu investieren. Unter dem Blickwinkel des demokratischen Zusammenlebens in einer Gesellschaft und der im Staatsvertrag festgeschriebenen meinungsbildenden Funktion der öffentlich-rechtlichen Sender bedarf diese Zielgruppe sogar besonderer Beachtung.

Wir rufen daher dazu auf, sich intensiv in den Rundfunkgremien mit der notwendigen Stärkung der Programminhalte für Jugendliche und junge Erwachsene auseinanderzusetzen. Kooperationsprojekte mit Privatsendern müssen geprüft werden und dürfen dabei kein Tabu sein; andere Ansätze dürfen nicht mit einem Verweis auf Finanzierungsvorbehalte, staatsvertragsrechtliche Grenzen oder mit Hinweis auf die Quotenerwartungen abgewürgt werden, bevor sie zu Ende gedacht wurden.

Die Idee eines eigenständigen Jugendsenders sollte dabei in den Fokus der Überlegungen genommen werden, da sie nach unserer Vorstellung das wirkungsvollste Instrument für eine zielgruppengerechte Ansprache wäre.

Ein eigenständiger Sender kann zudem als Programmlabor dienen und so eine Unterstützung für die Arbeit des gesamten öffentlich-rechtlichen Verbunds bei der Zusammenstellung eines attraktiven Programmportfolios liefern. Zudem muss auch ein junges und innovatives Programm in den Hauptprogrammen garantiert sein. Für uns ist klar das junge Menschen in diese Entwicklungen von Anfang an eingebunden sein müssen, mit innovativen Beteiligungsmöglichkeiten. Zudem müssen jüngere Menschen verstärkt in den Aufsichtsgremien mitwirken.

Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ist auch in Zukunft die Ansprache ALLER Alters- und Personengruppen mit einem qualitativ hochwertigen und modernen Programm eine zentrale Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems.

 

 

 

Verfasst am 05.02.2013 um 19:39 Uhr von .
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